Turnvater-Jahn-Denkmal nicht mehr unter Denkmalschutz
Das Landesamt hat den Stein in der Bahnhofstraße gestrichen, die Gemeinde will ihn zurück auf der Liste
Auf der Thüringer Denkmalliste stehen für Vachdorf seit Kurzem 20 statt 21 Objekte. Gestrichen wurde das Turnvater-Jahn-Denkmal in der Bahnhofstraße: der Naturstein mit Jahns Profil, der zwischen hohen Kastanien und steinernen Bänken steht. Bemerkt hat das ein Leser, der die öffentlich einsehbaren Listen verglichen und die Lokalredaktion informiert hatte.
Entschieden 1998, sichtbar 2026
Nach Auskunft der Unteren Denkmalschutzbehörde in Meiningen reicht der Vorgang weit zurück. Errichtet wurde das Denkmal 1928 zum 150. Geburtstag Jahns, 1984 nahm der Kreis Meiningen es in die damalige DDR-Denkmalliste auf. 1998 veranlasste das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) nach einer Ortsbesichtigung die Streichung. In der öffentlichen Liste taucht das erst jetzt auf, 28 Jahre später.
Die Behörde nennt zwei Gründe. Das Denkmal sei um oder vor 2022 versetzt worden und stehe seitdem auf dem Flurstück 1741/5, der ursprüngliche räumliche Zusammenhang sei damit verloren. Außerdem habe das Objekt insgesamt nur eine begrenzte denkmalfachliche Bedeutung.
Gemeinde: Der Stein hat sich nie bewegt
Von einer Versetzung weiß in Vachdorf niemand. Bürgermeister Andreas Baumann sagt, das Denkmal habe seinen Platz nie verlassen, und die Gemeinde habe der Streichung zu keiner Zeit zugestimmt. In der jüngsten Ratssitzung hat er das Thema angesprochen. Gemeinsam mit dem Gemeinderat wurde beschlossen, sich schriftlich an das TLDA zu wenden; Baumanns Brief mit der Bitte um Wiederaufnahme ist bereits geschrieben.
Baumann vermutet hinter der Entscheidung auch ideologische Gründe. Das TLDA spricht auf Anfrage der Zeitung von einem Missverständnis und unterscheidet zwischen einem Kulturdenkmal im Sinne des Thüringer Denkmalschutzgesetzes und einem Denkmal, das an eine Person erinnert. Weil das Vachdorfer Jahndenkmal die gesetzlichen Anforderungen aus heutiger Sicht nicht erfülle, liege eher die Vermutung nahe, dass bei der Eintragung in die DDR-Liste ideologische Motive mitgespielt hätten. Nachweisen lasse sich das nicht.
Wer war Jahn?
Friedrich Ludwig Jahn, geboren 1778 und gestorben 1852 in Freyburg an der Unstrut, gilt als Begründer der deutschen Turnbewegung. 1811 eröffnete er in Berlin den ersten deutschen Turnplatz; Reck und Barren gehen auf seine Bewegung zurück. In den Befreiungskriegen kämpfte er im Lützowschen Freikorps, 1816 erschien die ihm zugeschriebene „Deutsche Turnkunst“, 1848/49 saß er in der Frankfurter Nationalversammlung. Körperliche Übung verband er mit der Idee nationaler Einheit und politischer Freiheit. Seine Schriften enthalten nach heutiger Lesart auch nationalistische, antisemitische und fremdenfeindliche Passagen, weshalb seine Würdigung umstritten ist.
Jahn-Denkmäler gibt es auch anderswo in der Region, etwa in Ilmenau und Zella-Mehlis. In Freyburg steht eine denkmalgeschützte Jahn-Erinnerungsturnhalle.
Gepflegt wird es so oder so
Wie das Landesamt über den Widerspruch entscheidet, ist offen. Für Vachdorf ändert das an einer Sache nichts: Baumann hat angekündigt, dass die Gemeinde das Denkmal weiter pflegt und in Ordnung hält, mit oder ohne Schutzstatus.
Quelle: inSüdthüringen vom 25.09.2026 (Diana Werner-Uhlworm): „Vachdorf: Turnvater Jahn wurde ausgelistet“
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